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Silberfunken - Gildins Reise ins neue Leben - über heilsamen Schlaf und wilde Träume

Teil 5


Der Tiefschlaf-Look...

des Hundes. Verdrehte Augen, wo nur das Weiße sichtbar ist, vielleicht mit etwas Nickhaut gerahmt, zuckende Pfoten, schmatzende Geräusche, durchsetzt mit besorgniserregenden Fiep-,Japs- und Grunztönen.



Das Ganze klingt und sieht für rettungslose Hundemenschen tatsächlich süß aus, ist aber objektiv betrachtet nicht der Inbegriff von Niedlichkeit. Und ganz sicher nicht mehr, wenn sich olfaktorische Untermalung in Form von biologischen Gaskampfstoffen aus dem Hund dazu gesellt.


Macht aber alles nichts – denn tiefer, entspannter, ausreichender, nicht unterbrochener Schlaf ist so wie das Träumen unendlich wertvoll.


Das gilt für wirklich jeden Hund, für unsere Hunde aus dem Tierschutz, die eine Unmenge zu verkraften und zu verarbeiten haben, umso mehr.


Schlaf regeneriert. Schlaf hilft, zu Kräften zu kommen, nicht nur physisch.

Schlaf heilt.



Schläft er / sie schon?

Wer kennt das nicht – die Mamas, Papas, Omas, Opas, Tanten, Onkel ect., die alle drei Minuten auf Zehenspitzen, meist trotzdem erfolglos geräuschgedämpft, nachschauen gehen, ob den das Kleine schon schlafe. Das Kleine, solchermaßen alle Nasen lang gestört, schläft natürlich mitnichten und reagiert irgendwann mit entnervtem Brüllen und anhaltend mieser Laune.


Nachvollziehbar, oder? Hunden geht es genau so.

Besonders neu angekommenen Hunden kann man keinen größeren Gefallen tun, als sich selbst bei der Nase zu nehmen und genau diese sorgenvolle Nachschau im Minutentakt sein zu lassen.


Schlaflos in XY

Speziell in größeren Tierheimen, oder Einrichtungen, die sich so nennen, in den Herkunftsländern unserer Auslandsnasen, ist entspannter, tiefer Schlaf oft jahrelang kaum möglich.


Hunger, Durst, Hitze, Kälte, zwangsläufig schwelende Konflikte durch oft planlos vollgestopfte Zwinger, Kettenhaltung mit massiver Bewegungseinschränkung, Furcht vor den Wärtern – die Liste der unerwünschten stressenden Begleiter ist lang.


Schlafentzug wird nicht umsonst als Foltermethode bei Menschen angewandt – Schlafmangel lässt Lebewesen seelisch und körperlich kaputt gehen.



Deshalb ist eine der größten Sicherheiten, die wir unseren Neuankömmlingen geben können, viele Stunden ungestörter Schlaf, Tag für Tag.

Oft haben sie Jahre davon aufzuholen.


Alptraum!

Gildin hat ungefähr zweieinhalb Wochen gebraucht, um richtig tief schlafen zu können, mit dem Hund-im-Tiefschlaf-Look. Davor war es meist nur ein Dösen, von der kleinsten Störung sofort in Alarmzustand verwandelt.

Ich bin froh, nicht sehen zu können, was er in seinen Träumen alles verarbeitet.

Aber dieser Prozess ist einfach wichtig, um zu heilen anfangen zu können.



Wenn er da so in seinem Bettchen liegt und jammert, fiepst, zuckt und zappelt, ist zugegebener Maßen auch mein erster Impuls, ihn jetzt und sofort aus dem Traum zu wecken, zu knuddeln und zu trösten. Abgesehen davon, dass das aktuell vermutlich ein noch viel schlimmerer Alptraum wäre, lasse ich es ihm zuliebe sein – plötzliches Wecken ist ein enormer Schreck (davon haben wir genug zu verdauen!) und kann daher ganz zu heftigen Reaktionen führen.


Da bei Gildin noch nicht feststeht, wie es um sein Hörvermögen bestellt ist, nutze ich Gerüche, um ihn sanft aus der Traumwelt zu holen.

Bei einem hörenden Hund kann Musik hilfreich sein oder Alltagsgeräusche, die ihn langsam ins Hier und Jetzt holen und ihm helfen, sich zu orientieren.

Gildin bekommt meist ein Stückchen Leberkäse oder Wurst vorsichtig in die Nähe deponiert, damit die Nase einen Anker in der Realität findet und so den Rest des Hundehirns dorthin mitnehmen kann.



Meine direkte Nähe ist ihm noch kein Trost, das muss wachsen.

Vielleicht wird es eines Tages so sein, er wird es mir mitteilen, das habe nicht ich zu entscheiden.


Hilfe soll immer in der Form gegeben werden, in der der Hund sie auch annehmen kann und als solche empfindet, und sich nicht danach gestalten, wie unsere menschlichen Impulse uns leiten!


Momentan ist es sein Bettchen, die Leckerei vor der Nase, der mittlerweile vertraute Geruch seiner Umgebung, die sich jeden Tag ein Bisschen mehr als vertrauenswürdig sicher für ihn beweist, die ihn nach einem Alptraum beruhigt und wieder einschlafen lässt.


Gildin kommt momentan auf ein Ruhe- und Schlafpensum von mindestens 22 Stunden am Tag. Und auch bei jedem anderen Hund sollte es mit rund 20 Stunden nicht allzu weit darunter liegen, um fit für den Alltag zu sein!


Und was er dann so treibt, wenn er mal ausgeschlafen ist, das erzähl ich euch in einem anderen Silberfunken...




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