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Silberfunken - Gildins Reise ins neue Leben - Einmal Regenbogenbrücke ... und zurück!

Teil 19


Eigentlich hatte ich für diesen Silberfunken ganz andere Pläne – nun ja, die müssen warten!

Als nämlich der vorhergehende Silberfunken online ging, tat Gildin etwas, von dem ich mir wirklich gewünscht hätte, er hätte es nicht getan.


Nein, er hat nicht ins Bett gepinkelt, oder gebissen, auch nicht sein Wigwam geschreddert, oder sonst irgend etwas in einer Liga, mit der ich gelassen hätte umgehen können.

Nein, der kleine Terrier setzte von jetzt auf gleich einfach mal mindestens zwei Pfötchen auf die Regenbogenbrücke – er fiel einfach um. Kein Herzschlag.



Normalerweise kann ich euch sonst immer ganz detailliert und präzise mitteilen, was ich tue, diesmal muss ich gestehen, dass ich nicht genau weiß, was ich dann getan habe. Diesmal lief nämlich nicht im Hundehirn, sondern bei mir das automatisierte Notfallsystem an, aber auch wenn meine Maßnahmen wohl mehr instinktiv als professionell-überlegt waren – der kleine Terrier war wieder da!


Verdutzt, leicht daneben und mir gram ob der Übergriffigkeit, aber er hatte wieder alle vier Pfötchen im Hier und Jetzt.



Schon im zweiten Silberfunken habe ich euch eine kleine Liste erstellt, was einen Tierarztbesuch unvermeidbar macht. Einer der Punkte lautete: „wenn sich etwas nicht mehr bewegt, was sich aber unbedingt bewegen sollte“. Auf das Herz trifft das jetzt wirklich unzweifelhaft zu.


Konnte ich Gildin sein erstes großes, wegen des Zahnfleischtumors und der massiven Eiterungen unumgängliches Service in der Tierklinik durch medikamentöse Unterstützung und sofortige Kurznarkose vereinfachen, so ging das diesmal nicht – das ergab der sofortige Anruf bei der Tierärztin. Herzthematik dieser Natur schließt beides absolut aus.


So, da waren sie wieder, die Grundprinzipien, und das Leben, wie es eben so spielt, das dir sagt „Trample über sie drüber!“ Wollte ich natürlich nicht – ging aber nicht anders.


In so einer Situation steht immer eines ganz oben auf der Prioritätenliste: die Eigensicherung.


Es war mit großer Sicherheit vorauszusagen, dass der kleine, alte Terrier, gleich wie marode, um sein Leben kämpfen würde, wenn er notfallmäßig gepackt, in die Box gestopft und im Stil von Walter Röhrl zum Tierarzt gefahren würde. Um sicherzustellen, dass ich das auch würde tun können, ging dem Einpacken das Überstülpen eines sicheren Maulkorbes voraus.


Ich weiß nicht, was grauenhafter war – die Erkenntnis, das jetzt unausweichlich tun zu müssen, die Minuten der Vorbereitung, in dem Wissen, die Welt des kleinen Terriers gleich zum Einsturz bringen zu müssen, der Vorgang an sich, oder der Moment nach 10 Minuten Fahrt die Schiebetüre zu öffnen und sich insgeheim seelisch auf einen zwischenzeitlich verstorbenen kleinen Terrier in der Box vorzubereiten.


Die Fähigkeit zum beherzten, schnellen Zugriff mit sicheren Handgriffen verdankte ich an diesem Tag vielen, vielen Jahren freiwilliger Tätigkeit in ungarischen Tierheimen.


Und trotz Allem ließ auch etwas in mir hoffen, dass es für Gildin und mich einen Weg zurück zu Vertrauen und Miteinander geben würde – zu Allem, was ich euch bisher in den Silberfunken miterleben lassen durfte.


Kurz und gut, der kleine Gildin war bei Ankunft in der Praxis nicht nur am Leben, sondern äußerst missgelaunt und natürlich fürchterlich erschrocken – beidem verlieh er ziemlich deutlich Ausdruck – was mich unglaublich freute, weil er keinen shut-down mit Aufgabe hatte. Und zum Glück wurde dies auch von der fabelhaften Tierärztin mit Nonchalance genommen.


Mit Herztabletten für den Terrier (vielleicht hätten wir sie an dem Tag teilen sollen?) und aufbauenden Worten der Tierärztin („Das ist ein Terrier, der steht noch oft wieder auf!“) versorgt, stellte sich dann zuhause die Frage – wo schließen wir wieder an? Können wir wieder anschließen?


Spoiler – ja, wir konnten und können.



Ein mittlerweile ordentlich angehäuftes Guthaben auf dem Vertrauens- und Beziehungskonto machte es möglich.


Natürlich, die nun wieder misstrauischen Blicke des kleinen, alten Terriers waren in den ersten zwei, drei Tagen nicht leicht auszuhalten, auch wenn ich sie völlig zurecht ab bekam!

Jedes Zurückweichen oder Weggehen tat weh, und das „Du hast es kaputt gemacht!“ flüsternde Teufelchen auf der Schulter war nicht ganz leicht zum Schweigen zu bringen.



Was uns beiden, Gildin und mir, beim Überwinden dieser Episode half, war das Zurückgreifen auf Dinge, die auch auf unserem bisherigen Weg dafür gesorgt hatten, dass wir uns gut fühlen.


Ich ließ mich mit dem kleinsten Blick wegschicken, um ihm die Sicherheit zu geben, dass sein „Nein!“ immer noch gilt und er die Entscheidung in den Pfötchen hat.

Schon nach wenigen Tagen wurden die „Neins“ genau deshalb immer weniger – Gildin hatte wieder genug Beweise gesammelt, dass er nicht gezwungen wird.


Schon am dritten Tag wurde dem kleinen, alten Terrier langweilig – nur in Frieden gelassen werden ist für das Arbeitstierchen dauerhaft definitiv zu wenig!


Ich habe abgewartet, bis er das Training einfordert - plötzlich stand er quengelnd im leicht umdekorierten Bett seiner Schäferschwester Amarié und beschwerte sich, dass hier kein Entertainment mehr stattfindet.



Und dann sind wir irgendwo in der Mitte unseres Weges wieder losgestartet.


Jetzt war es unheimlich hilfreich zu wissen, welche Übungen, welche Dinge Gildin besonders gerne mag, und was ihm hilft, sich gut und erfolgreich zu fühlen.


Nach der Maulkorb-Zwangsbeglückung war es schön zu sehen, dass er ohne jedes Zögern fast bis zu den kleinen Ohren in eine Schnüffelbox taucht.



Sein liebstes Gerät, das blaue Balance-Kissen, half ihm, sich immer weiter auf die Terrasse zu wagen – es war im Zuge des Trainings fast von selbst zu einem Target geworden, das er gerne ansteuert.



Mein Essen mit ihm zu teilen brachte ebenfalls wieder Bonuspunkte – Toast geht immer!



Leckeres aus der Hand angeboten ging auch bald wieder …



Die ersten Berührungen durften mit jederzeit möglicher sofortiger Rückzugsmöglichkeit in seinen sicheren Wohlfühl-Raum, sein Wigwam, stattfinden, weil sich Gildin hier am sichersten fühlt. Seine Bereitschaft tat er kund, indem er auf Ansprache hervorkam. Auch hier ist das leiseste „Nein“ bindend! Denn nur so kann er wieder „Ja“ sagen.


Und man sieht, dass unsere Grundprinzipien das Bisschen Getrampel bestens überstanden haben!



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