top of page

Silberfunken - Gildins Reise ins neue Leben - „Kein Geheimnis – Schritt für Schritt ins Halsband“

Teil 15


Wir bei Grinsehunde brauchen und wollen aus unserer Arbeitsweise kein Geheimnis machen. Deshalb zeige ich euch in diesem Silberfunken in einigen Videos, wie der nicht anfassbare kleine Terrier in ein Halsband kommt.

Natürlich wird Gildin im Endeffekt kein Halsband tragen. Sein tolles, neues Sicherheitsgeschirr wartet auf ihn – den Grund, warum wir in diesen step-by-step-Videos zuerst einmal mit Halsbändern arbeiten, findet ihr in den folgenden Trainingsgrundsätzen, die ich euch auf die Videoreise mitgeben möchte.


Diese Grundsätze gelten nicht nur für die Arbeit mit kleinen, alten Trauma-Terriern. Sie sind es, was unsere Arbeit mit Hunden ausmacht, sie sind keine Option, sie sind Versprechen.


1. Hund wird abgeholt, wo er steht, nicht, wo ich ihn gern schon hätten


Das bedeutet, dass jedem Trainingsschritt eine genaue Beobachtung und Einschätzung vorausgeht, nicht nur in Bezug auf das Trainingsthema, sondern ganzheitlich.

Wie sieht die Gesamtentwicklung bisher aus? Wie geht es Hund aktuell? Was zeigt er mir? Ist er jetzt gerade bereit für Neues, oder sind seine Akkus gerade durch Anderes belastet?

Welche Voraussetzungen haben wir uns schon erarbeitet, was wäre noch als Vorbereitung sinnvoll?


In Gildins Fall war für viele Dinge wesentlich, dass er gern und problemlos Leckerli aus der Hand nimmt. Die menschliche Hand war einer seiner größten Angst-Trigger, weshalb wir uns für die Vorarbeiten dazu viele Wochen Zeit genommen haben.


Hier ist eines unserer ersten Videos dazu , in dem er aus der auf seiner Höhe angebotenen Hand etwas annehmen kann – man sieht, dass es für ihn noch eine große Aufgabe ist.



2. Der Hund bestimmt das Tempo


3. und nichts geschieht ohne das Einverständnis und die Bereitschaft des Hundes und er wird niemals physisch oder psychisch zu oder in etwas gedrängt


Nicht nur im großen Rahmen, sondern auch in jeder einzelnen Übung ist dies der Fall

Unsere Videos sind nicht geschniegelt und geschnitten, ich zeige euch gern unsere ersten Versuche. Genau dabei sieht man nämlich, dass jeder Moment vom Hund bestimmt wird, und ich mein Angebot und Tempo anpasse. Ich sehe jedes Mal im Nachhinein Fehler – und das ist gut so. Aus denen lerne ich nämlich dazu.


Einer meiner Lieblingssätze zu Training ist von Susan Friedman: „We can do better!


Das kann beim nächsten Mal ein zusätzlicher Zwischenschritt auf eine leichtere Stufe sein, wenn ich zu schnell weiter gehe und Gildin „Nein, noch nicht!“ sagt, oder es eine unerwartete Ablenkung für Gildin schwieriger macht, mitzuarbeiten.


Mit der absoluten Einhaltung meines Versprechens der Freiwilligkeit für Gildin verdiene ich mir nicht nur sein Vertrauen, sondern erzeuge Freude am Tun mit mir. Ohne die wollen wir nicht!


Ein langsames Aufbautempo, ohne unnötig lange auf einer Trainingsstufe zu verharren, ist der Optimalfall. Je mehr Zwischenschritte ich einplane, umso wahrscheinlicher wird der Trainingserfolg. Das Ziel ist es, Erfolg möglich zu machen, zu fördern statt zu fordern.

Schritt 2 war daher das Hinzufügen der zweiten Hand zum Füttern aus der Ersten – denn die zweite Hand werde ich brauchen, um das Halsband später zu halten. Also sollte Gildin ihre Annäherung schon als unbedenklich eingestuft haben.



4. Das Training richtet sich nach den Möglichkeiten des Hundes


Keines dieser Videos ist fünfmal hintereinander aufgenommen – der kleine Terrier könnte sich niemals so lange konzentrieren, Überforderung würde die Lernfreude zunichte machen. Und das Wollen des Silberfunken-Terriers ist schließlich Voraussetzung.


Nachdem die leere zweite Hand für Gildin in Ordnung war, durfte sie unser Trainingsequipment präsentieren, ohne dass es irgendwie an den Hund kam.



5. „Hilf mir, es selbst zu tun“


Es ist so wichtig für das Selbstbewusstsein unserer Hunde, ihre Selbstwirksamkeit und Handlungsmöglichkeiten zu erfahren und im Zuge dessen ihren Mut zu finden.


Deshalb habe ich Gildin das Halsband – diesmal ein breiteres – selbst erforschen lassen, statt ihn nur aktiv darauf hin zu arbeiten.

Kurz nach diesem Video entschied er sich, als ich ihm mehr Auswahlmöglichkeiten gab, das Leckerli zuerst aus dem ursprünglich etwas gruseligen Halsband-Ding statt aus einem Töpfchen zu holen – Mission erfüllt!



6. Bedenken, wie Hunde lernen – vom Leichten zum Schwierigen, vom kleinen Kontext zum Großen


Im nächsten Video tritt ein fester, blauer Leuchtband-Ring an die Stelle der Halsbänder – aus zwei Gründen. Arbeite ich immer nur mit dem selben Utensil, nehme ich Gildin die Möglichkeit, zu generalisieren – also am Exempel Erlerntes auf weitere, ähnliche Situationen umzulegen. Und schließlich möchten wir eines Tages im Brustgeschirr landen.


Darüber hinaus hat es der nächsten Schwierigkeitsstufe – das Halsband bewegt sich vom Boden weg – die Kante genommen, weil der Ring ein genaues Handling leichter macht und sich z.B. nicht selbstständig macht und sich auf des Terriers mutige kleine Nase legt.



Hier ist es der gleiche Lernschritt, jedoch mit dem breiten Halsband – eine größere Herausforderung ans mutige kleine Terrierherz, aber im Rahmen dessen, was er zu schaffen im Stande ist zu diesem Zeitpunkt.



7. Anbieten statt anschaffen


In diesem Video geht das Halsband – diesmal wieder das Gildin wohlbekannte Grüne – zum ersten Mal ganz weg vom Boden und bietet sich dem kleinen Terrier an, seinen Kopf hinein zu stecken.


Wir beginnen mit gut Bekanntem – Wurst aus dem Halsband holen – und arbeiten uns bis zu den Ohren vor. Etwas über die Ohren gestreift zu bekommen, empfinden nicht nur traumatisierte Hunde wie Gildin oft als unangenehm und schwierig. Daher geht hier das Halsband dazwischen ganz weg, und ich frage nach, ob Gildin weiter machen möchte.


Gildin könnte zu jedem Zeitpunkt auch am Halsband vorbei an die Wurst kommen (er beherrscht die Kunst des Leckerli-vom-Teller-hinter-Frauli-Mopsens mittlerweile perfekt, also was sollte ihn hindern, sie aus der angebotenen Hand auf leichtestem Wege zu holen?), er möchte aber in der Übung bleiben. Erfolg haben und mutig sein macht eben einfach Freude.


8. Sich an Erfolgen freuen…


... und niemals aus den Augen verlieren, wo man begonnen hat und wie weit der Anstieg, wie groß die Leistung bis zum status quo für den Hund gewesen ist. Mag jemand die Achseln zucken über einen kleinen, alten Hund, der für einige Sekunden seinen Kopf in einem blauen Kunststoffring hat.


Ich weiß – und ich denke, auch ihr wisst – dass der kleine Meister Gildin hier einen persönlichen K2 bezwungen hat:



Erfolg macht nicht nur mutig und glücklich, sondern auch rechtschaffen müde.

Und so kann ein kleiner, alter Terrier zufrieden in seiner Sandkiste ruhen, sich erholen und verarbeiten – damit er morgen wieder für neue Taten fit ist!




259 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page