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Silberfunken - Gildins Reise ins neue Leben - Fit mit Meister Gildin

Teil 21


Mit guten Gründen sind Gildin und ich große Fans von Bewegungstraining.

Ich, weil ich um die Vorteile für Körper und Seele des Hundes weiß, und Gildin, weil er sie spürt.


Was bringt Bewegungstraining auf körperlicher Ebene?


Regelmäßiges, durchdachtes Bewegungstraining ist wirklich für JEDEN Hundekörper von Vorteil. Egal, ob es der eines Sporthundes ist, der vielfältigen Belastungen und Verletzungsrisiken ausgesetzt ist, ob es der eines jungen Hundes ist, der erst lernen muss, seinen Körper zu koordinieren und zu spüren, oder ob man dem Familienhund, dem Begleiter im Alltag oder seiner alternden Fellnase etwas Gutes tun möchte - sie alle profitieren davon!



Bewegungstraining

  • fördert das Körperbewusstsein

  • schult Gleichgewicht und Koordination

  • mobilisiert Gelenke und fördert deren Beweglichkeit

  • hält damit Knorpel und Bänder in Schuss

  • kräftigt auch Muskeln, die in der alltäglichen Bewegung zu wenig trainiert werden (z.B. die Tiefenmuskulatur oder die gelenksnahe Haltemuskulatur)

  • hilft durch Muskelaufbau Übergewicht vorzubeugen oder es abzubauen

  • vermindert das Verletzungsrisiko und erhält die Freude an Bewegung


Doch auch für das Seelenwohl und das Köpfchen hat Bewegungstraining viel zu bieten!


Im Bewegungstraining ...


... wird das Selbstbewusstsein durch die Bewältigung angepasster Aufgaben gesteigert

... erzeugt die verbesserte Körperwahrnehmung und Fitness Wohlbefinden

... wird die Konzentration geschult

... bietet sich die Möglichkeit, Qualitätszeit mit Mehrwert und Spaß mit dem Hund zu genießen

... wird langsames, lösungsorientiertes Denken gefördert, was besonders unsicheren und hektisch-emotional reagierenden Hunden auch in Alltagssituationen zugute kommt


Bevor ihr mit Bewegungstraining startet, habt bitte einige wichtige Dinge im Hinterkopf


Stellt sicher, dass euer Hund grundsätzlich gesund ist, haltet Rücksprache mit eurem Tierarzt oder eurer Tierärztin. Auch Physiotherapeut_innen können euch beraten, welche Übungen für euren Hund geeignet sind oder eher vermieden werden sollten!

Es geht im Bewegungstraining nicht um höher-schneller-weiter. Es geht darum, den Hund bewusst und kontrolliert zu Bewegungen anzuleiten, die ihm gut tun.


Wenn euer Hund eine Übung nicht gern macht, immer wieder versucht auszuweichen, schimpft nicht, denkt nicht, er wäre stur, und wirkt niemals körperlich auf ihn ein!

Was uns unsere Hunde zeigen, hat immer einen Grund. Vielleicht gibt es doch eine unerkannte „Baustelle“, die die Bewegung unangenehm oder sogar schmerzhaft macht, vielleicht ist ihm das Gerät unheimlich, vielleicht braucht er mehr Hilfe, um zu verstehen, was er tun soll, möglicherweise ist er abgelenkt oder er braucht einfach noch mehr Übung auf einer einfacheren Trainingsstufe.


Wie gut unser Hund eine Übung ausführen kann, und dass ihm das Training Freude bereitet, liegt in unserer Hand.


Ganz wichtig vor jedem Bewegungstraining ist das Aufwärmen! Die Grundregel lautet, niemals aus dem Körbchen in die Übungen! Macht vorher einen kleinen Spaziergang, lasst euren Hund etwas Schritt und Trab gehen oder Leckerli in der Wohnung suchen.

Gildin geht altersentsprechend gern vorher im Garten spazieren oder sucht seine auf der Terrasse verteilten Leckerli.



Unser kleiner Meister Gildin zeigt euch jetzt einige Basisübungen, mit denen er in den letzten Monaten, auch in seinem hohen Alter, viel Bewegungsfreude und -möglichkeit gewonnen hat. Jedes Gerät, das wir verwenden, kann leicht durch alltägliche Gebrauchsgegenstände ersetzt werden. Unersetzlich sind nur der Hund, motivierte Menschen und am besten kleine, gute Leckerlis.

Die Hundenase an der Leckerlihand ist die einfachste Methode, euren Hund durch die Übungen zu führen.


Cavalettitraining


Im Alltag heben unsere Hunde ihre Pfoten stets nur so weit, wie gerade nötig. Weit verbreitet in der Hundewelt ist auch die Ansicht, man höre spätestens bei den Vorderbeinen auf. Egal, ob sich euer Hund viel oder wenig bewegt – er profitiert bei diesen Übungen durch Zugewinn an Koordination, vor Allem der Hinterhand, und der Beweglichkeit der Gelenke. Mit steigender Geschicklichkeit können die Hindernisstangen auch höher oder schräg gelegt werden, es können Kreise, Kringel, Wellen und Ecken aufgebaut werden – der Phantasie sind eigentlich kaum Grenzen gesetzt. Wichtig nur, alle Übungen sollen natürlich auf den Trainingsstand des Hundes angepasst werden!


Beim „Mikado-Spiel“ wird auch das Köpfchen ordentlich gefordert!

Statt der gelben Cavalettistangen kann man auch Besenstiele verwenden (nur Achtung, manche Hunde mit schlechten Vorerfahrungen haben Angst davor!), oder einen Gartenschlauch kreuz und quer legen.



Legt ihr die Cavaletti hintereinander auf, passt sie bitte der Schrittlänge eures Hundes an.



Wichtig ist, den Hund wirklich langsam Schritt für Schritt setzen zu lassen, dann hat der Körper am meisten zu tun! Habt ihr keine passenden Geräte zur Hand, setzt euch einfach auf den Boden und lasst euren Hund langsam und konzentriert über eure Beine steigen.



Podestarbeit


Zu den Basisübungen zählt auch das Stehen auf einem Podest – nur mit der Vorhand, nur mit der Hinterhand, später auch mit allen Vieren.



Die Beine am Boden haben hier vermehrte Lastaufnahme, die Gelenke bewegen sich weiter, und die Pfoten auf dem Podest wollen gut koordiniert sein. Steht der Hund mit allen Vieren auf einer verkleinerten Grundfläche („Bergziege“), haben auch Bauch- und Rückenmuskulatur einiges zu leisten!



Wer seinem Hund Rückwärtsgehen beibringt, kann ihn auch rückwärts mit der Hinterhand zuerst aufsteigen lassen – aber Achtung, diese Übung ist für Hunde schwierig, weil sie dabei den Untergrund nicht zuerst mit den Vorderpfoten überprüfen können! Beginnt hier am besten mit einer Vorübung, z.B. steigen über ein Cavaletti.



Achtet in jedem Fall bei der Podestarbeit darauf, dass euer Hund den Kopf nicht zu hoch, sondern möglichst in Verlängerung des Rückens hält, und dass ihr ihm genügend Raum für die Bewegung lasst.


Arbeit mit Balancepads


Sie stärken das Gleichgewicht und die gelenksnahe Haltemuskulatur – beides senkt das Verletzungsrisiko und schützt die Gelenke vor Fehlbelastungen. Diese Übungen kann man auch sehr gut mit einem Kissen machen.


Gildin liebt besonders sein blaues Pad. Er weiß, dass er dieses Gerät super beherrscht und fühlt sich darauf so wohl, dass es für gänzlich andere Übungen als Startpunkt und Target dient. Beim Halsbandtraining, beim Anfasstraining und beim Bürsten haben wir uns das zu Nutze gemacht.



Mit der Zeit kann man dickere, wackeligere Balanceobjekte verwenden , sie in die Podestarbeit integrieren oder mehrere aneinander reihen,



so dass Vor- und Hinterhand gleichzeitig auf je einem stehen und Hund von einem zum nächsten steigen kann.



Achtung, nicht viel Herumgewackel ist das Ziel, sondern dass sich der Hund koordiniert und ruhig darauf halten kann!


Beginnt mit eher flachen, festeren Objekten und wenigen Sekunden Dauer, so dass der Hund die Aufgabe sicher bewältigen kann.


Und mit viel Übung und Spaß können die verschiedenen Elemente dann auch ganz fein kombiniert werden.



Slalom und Hütchen


Besonders der Rücken des kleinen Terriers ist durch sein langes Vorleben in der Hüttenecke steif und unbeweglich, er hat kaum Rückenmuskulatur. Daraus können leicht Schäden mit Schmerzgeschehen und grundlegende Bewegungseinschränkungen resultieren – also arbeiten wir daran!


Passt die Abstände der Hütchen im Slalom an die Größe und aktuelle Beweglichkeit eures Hundes an und achtet darauf, dass er langsam, Schritt für Schritt, arbeitet und sich gleichmäßig biegt!



Weitere Übungen für diesen Bereich sind zum Beispiel eine Acht durch eure Beine gehen, oder einen Kringel gehen lassen, aber auch Laternenmasten oder Bäume können vorzüglich genutzt werden. Auch hier sollte der Kopf eures Hundes nicht zu hoch sein, daher achtet auf die Höhe eurer Leckerlihand. Das Tempo soll sehr moderat sein, und es ist wirklich wichtig, immer beide Seiten zu trainieren.


All diese Übungen nutzen umso mehr, je langsamer sie durchgeführt werden!


Für diejenigen unter euch, die ihren Hunden Positionen wie Sitz, Platz und Steh beigebracht haben, oder Tricks wie Pfötchen geben, bieten sich auch diese Dinge als Fitnessübungen an. Positionswechseln, eine Pfote vom Boden heben und nur auf dreien zu stehen – all das sind nützliche Übungen, deren Schwierigkeitsgrad man z.B. dadurch steigern kann, dass sie auf einem nachgiebigen Untergrund wie einem Polster oder dem Sofa durchgeführt werden.

Wie bei allen anderen Übungen ist Priorität, dass sie eurem Hund Spaß machen!


Bewegungstraining ist eines der besten Beispiele dafür, dass ganzheitliches Arbeiten, gerade auch bei Hunden mit Vorbelastungen, sehr wertvoll ist.

Gildin fand einen freudvollen Zugang zur Zusammenarbeit mit mir. Er hat viel von seiner Scheu vor neuen Objekten verloren, und begegnet ihnen jetzt mit Neugierde. Oft werden sie auch gleich auf Handlungsmöglichkeiten überprüft, was früher undenkbar gewesen wäre. Des kleinen Terriers Selbstbewusstsein wächst daran jedes Mal ein Stückchen.

Statt dass sein Hundegehirn jetzt bei einer Herausforderung oder der Begegnung mit Neuem reflexartig mit „Kampf, Flucht oder Freeze“ reagiert, kann er etwas betrachten, begutachten und überlegt nach Lösungen suchen.

Zusätzlich hat er natürlich auch körperlich enorm profitiert, und kann mittlerweile ausgiebige Gartenausflüge genießen, die Treppe und die Stufe auf die Terrasse stellen kein Hindernis dar – und ich kann beruhigt sein, weil ich weiß, dass er sich bei einem Hopser nicht verletzen wird.


Auch Signale, die wir im Bewegungstraining aufgebaut haben, sind uns in anderen Situationen hilfreich. Aus dem Führen mit dem Leckerli haben wir das Hand-Nasen-Touch herausentwickelt,



das schon in einem anderen Silberfunken ein Thema war. Gildin weiß, dass seine kleine Nase an meine angebotene Hand andocken soll, und lässt sich so leiten.



Gildin und ich wünschen euch viel Spaß beim Ausprobieren – genießt diese besondere Qualitätszeit des Bewegungstrainings mit euren Hunden und freut euch an dem, was es für euch tun kann!


Und wer so viel fleißig ist, verlässt dann mit seiner großen Schwester die Bühne und genießt das Leben in vollen Zügen.




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