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Silberfunken - Gildins Reise ins neue Leben - Wie sag ich‘s meinem Hunde?

Teil 9


... ist ein viel zu kurzer Titel. Weil es mindestens genauso darum gehen soll, wie sagt‘s mir mein Hund? Und noch viel mehr ums Zuhören, und zwar einander.


Das hat den einfachen Grund, dass Kommunikation für ein Individuum das vorrangige Ziel hat, etwas an seiner Situation zum Positiven zu verändern. Sie hat also ein Ziel.

Das kann sein, etwas Gewünschtes zu erlangen. Oder, etwas Unangenehmes von sich abzuwenden. Kommunikation braucht einen Sender, und, um ihre Funktion erfüllen zu können, einen Empfänger.


Also gehören zum miteinander Kommunizieren mindestens zwei – hier also eine Zweibeinerin und ein kleiner, alter Terrier. Der kleine, alte Terrier ist natürlich Gildin, das Zweibeinige bin ich.


Warum redest du nicht mit mir?


Eine Protagonistin hier ist überaus kommunikativ – ich rede gern und viel – einer war das bis vor Kurzem gar nicht. Das hat einen guten Grund – Verhalten sollt sich halt lohnen, um wiederholt und häufig zur Anwendung zu kommen. Das trifft auch auf Kommunikationsverhalten zu.


Gildin hat über ein Jahrzehnt als „Eckenhund“ in einer Holzhütte verbracht und diese Lebensumstände haben ihn gelehrt, dass Kommunikation zumindest etwas Sinnloses ist, wenn sie von seiner Seite erfolgt. Wahrscheinlich – und das sind jetzt nur Schlüsse aus seinem Verhalten in der allerersten Zeit – hatten Kommunikationsversuche mit dem Menschen in seinem Leben für ihn auch schon massiv negative Folgen.

Damit konnte er lange Zeit das Ziel von Kommunikation – etwas an seiner Situation zu verbessern – nicht erreichen, und hatte sie schlicht eingestellt.

Auch in der Empfängerrolle fand sich für ihn offenbar nie ein positiver Output – direkte Kontaktaufnahme beförderte den kleinen, alten Terrier umgehend in seine Freeze-Position, Kopf in die Ecke gedrückt. Dem müssen eindrückliche Lernerfahrungen zu Grunde liegen.


Ich hör dir zu...


Also geben wir dem kleinen Sir Gildin den Grund zum Kommunizieren zurück. Dazu muss sich jeder winzige Versuch von seiner Seite lohnen – was ganz oft bedeutet, ihm Raum zu geben, auf Abstand zu gehen, einzustellen, was man gerade tut. Ihm zu zeigen, dass er gehört wird und mit dem, was er aussendet, etwas bewirken kann. Und sei es, dass ich weggehe.



Was hast du gesagt?

Seine ersten äußerlich erkennbaren Signale waren Blick oder Kopf abwenden, ein Blinzeln, das Zurückziehen eines Pfötchens – was stets mit sofortigem Rückzug belohnt wurde.


Was übrigens der Grund ist, warum mich dieser als bissig bekannte kleine, alte Terrier noch nie beißen musste. Oder auch nur anknurren. Ich hör ihn auch, wenn er leise spricht.


Ich kann nur jedem Hundemenschen ans Herz legen, sich mit dem Ausdrucksverhalten von Hunden zu beschäftigen.


Gildin ist natürlich ein besonders dramatischer Fall, aber er ist nicht der einzige Hund, dem nie zugehört wurde. Ganz viele dieser Hunde leben nicht in irgendwelchen Horrorsheltern – sie leben in Haushalten, mit ihren Menschen, und werden dennoch nie gehört. Manche helfen sich damit, sehr laut zu werden – und sind dann „problematisch“ und man trachtet, diesen unerwünschten Unfug wieder abzustellen. Viele werden aber auch ganz still – und sind dann „brav“, und die Hundeseele dämmert stummgeschalten vor sich hin. Bis es irgendwann nicht mehr geht…und „aus heiterem Himmel“ etwas passiert.


Wir wollen von unseren Hunden immer so gern verstanden werden – und viele von uns könnten, wenn die Signale nicht laut und unübersehbar eindeutig sind – beim eigenen Hund nicht einmal ein „Ja“ von einem „Nein“ unterscheiden, ein „Ich brauche dich gerade“ von „Lass mich bitte“…


„Sag‘s in ein Sackl“ (In Wien für „Interessiert mich nicht!“)


Noch ein klein Wenig unfairer unseren Hunden gegenüber ist es, sehr wohl zumindest eine Ahnung davon zu haben, was sie uns sagen wollen – und es aus Prinzip zu ignorieren. Weil Hund ja sonst die Weltherrschaft an sich reißen könnte – ein Zusammenhang, der sich mir nie erschließen wird und den mir auch kein_e Verfechter_in dieser These je plausible und haltbar erklären konnte.

Ich weiß nicht, wie gut und lange zwischenmenschliche Beziehungen auf diese Art funktionieren würden – in Punkto Duldsamkeit, Entgegenkommen und Nachsicht sind uns unsere Hunde wohl um einiges voraus. Umso unfairer, diesen Umstand auszunutzen.


Das Ding mit der Körpersprache


... ist ja momentan total in. Und zwar in dem Sinne, dass Menschen „körpersprachlich mit Hunden kommunizieren“. Was der Hund dazu zu sagen hat, wird nur leider für gewöhnlich irgendwas zwischen ignoriert und schöngeredet, die Kommunikation erfolgt ziemlich einbahnstraßig über Ausbrems- und Beeindruckungsmanöver seitens des Zweibeiners.


Wir Menschen sind in dem Metier im Vergleich zu unseren Hunden unglaubliche Nieten. Da hilft auch kein Kurs und kein Video und kein sich selbst vom Gegenteil Überzeugen.

Was nicht authentisch ist, das wird es auch nicht. Wir sind keine Hunde. Also unterlassen wir den peinlichen Versuch, uns als solche zu geben.


Nutzen wir statt dessen, was wir über die Wirkung unseres Verhaltens unseren Hunden gegenüber wahrzunehmen im Stande sind, indem wir sie zu lesen lernen.

Nutzen wir, was wir über Lernen erfahren können – wie wir unsere Sprache , unsere Möglichkeiten zu einem sinnvollen Element in der Kommunikation mit unseren Hunden machen können.


Gildin fand Ansprache ja zu Beginn absolut fürchterlich. Hunde kommen nicht mit einem Konzept unserer Ausdrucksmöglichkeiten und unserer Sprache zur Welt.


Seinen Namen identifiziert er mittlerweile problemlos, und in seinem Gesicht steht eine eindeutig positive Erwartungshaltung:



Jetzt gehöre ich zu diesen Menschen, die unglaublich gerne und beinahe reflexartig von Herzen loben.


Empfänger war hier nun ein Hund, der das als potenziell lebensgefährlich empfand.

Hier war meinerseits viel Selbstbeherrschung gefragt. Von mir, nicht von ihm.

Andererseits haben wir uns kleinschrittig auf den Weg begeben, diese Art der Ansprache mit den großartigsten Leckereien zu verknüpfen, und ihnen damit im wahrsten Sinne des Wortes einen anderen Klang zu geben.

Mittlerweile kann ich Gildin so loben und ermutigen – immer darauf achtend, was er dazu in dem Moment zu sagen hat.


Das Video zeigt Gildin, wie ich ihn ermutige, auf mich zu zu kommen. Eine Übung, die ich, wär es nicht für diesen Artikel gewesen, früher abgebrochen hätte. Der kleine Sir hat mir aber verziehen, dass er hier eine Reihe Beschwichtigungssignalen zeigen sollte – wie viele entdeckt ihr?

Wann beginnt er, seinen Weg zu mir fort zu setzen, auf welches seiner Signale gebe ich ihm Raum, um ihm das zu ermöglichen?



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